Sonntag, 10. März 2019

Kostenloser Nahverkehr in Pfaffenhofen - Klappt schon, aber...

Als Beitrag zum Klimaschutz und gegen den drohenden Verkehrskollaps bietet Paffenhofen an der Ilm den Bus seit einiger Zeit kostenlos an. Die Idee, der Nulltarif soll bewirken, dass mehr Bürger ihre Autos stehen lassen. Doch ist das auch so?
Die Ergebnissse sind zwigespalten. Die Zahl der Stadtbusnutzer hat sich mehr als verdoppelt - doch die Anzahl der Autos in der Stadt ist nahezu unverändert.
 

Erste Ergebnisse von Befragungen lassen den Schluss zu, traditionelle Busnutzer fahren öfter. Schüler, Auszubildende oder Menschen die auf's Geld achten müssen fahren öfter. Aber überwiegend steigen bisherige Radfahrer und Fußgänger in die Busse ein.
Natürlich lassen einige Pfaffenhofer das Auto stehen, aber bei weitem nicht in dem erwartetem Maße. Das Auto bietet für viele Menschen immer noch die höchste Verbindungsqualität. Der erwünschte Effekt ist nicht eingetreten und bestätigt Erkenntnisse aus anderen Städten, die bereits Erfahrungen mit kostenlosen Nahverkehr gemacht haben.
 

Zusammengefasst: 
  • ÖV wird besser angenommen, wenn Takt-, Betriebszeiten und Zuverlässigkeit hoch sind, sowie die Umsteigeverbindungen eingehalten werden.
  • Ohne Maßnahmen den Kfz-Verkehr unattraktiv zu machen, ist kostenloser ÖV als Mittel zur Reduzierung von Autoverkehr und damit zur Minderung von Luftschadstoffen ungeeignet.
  • Kostenloser ÖV geht zu Lasten von Fuß- und Radverker.
Warum ist das so? Die Kosten des Autoverkehrs, die indirekt für die Gesellschaft entstehen, also Emissionen, Staus und der Verbrauch öffentlichen Raums, sind für die Verkehrsteilnehmer quasi unsichtbar.

Erst wenn zumindest ein Teil dieser Kosten "eingepreist" werden, beispielsweise in dem kostenlose Parkplätze im öffentichen Raum reduziert werden oder öffentlicher Nahverkehr Vorrang im Verkehr bekommt, wird eine Nutzungsänderung eingeleitet. Aber nur, wenn die Alternative auch attraktiv ist.
Dazu ein aussagekräftiger Artikel bei Brand Eins.

Als Beispiel kann der kostenlose ÖV in der Stadt Hasselt genannt werden, der zu einer hohen Umstig von MIV auf ÖV führte. Hier wurden die Zahl der Parkplätze verringert und die Parkgebühren angehoben. Hinzu kamen flächendeckende Geschwindigkeitsreduktionen und Verkehrsberuhigungsmaßnahmen.



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