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Donnerstag, 25. Oktober 2012
SPD stellt Antrag zu Hermann-Ehrlich-Preis
Die SPD, im Gegensatz zur SZ bei der Preisverleihung an Helge Cramer anwesend, wertet den Preis abweichend vom nicht anwesenden Berichterstatter Andreas Glas in der Dachauer Lokalredaktion anders und stellt folgerichtig einen Antrag im Stadtrat:
Der Filmbeitrag über den Dachauer Wahlfälschungsskandal aus dem Jahr 2002 für das ARD Fernsehmagazin Monitor von Dokumentarfilmer Helge Cramer wird als zugängliche Archivalie ins Stadtarchiv Dachau aufgenommen.
BEGRÜNDUNG :
"Der Wahlfälschungsskandal von Dachau im Jahre 2002 ist der größte bekannt gewordene Fall an Wahlfälschung in der Bundesrepublik Deutschland."
(Quelle: Wikipedia, aufgerufen am 23.10.2012).
Aus diesem Grund soll eine Kopie des Filmbeitrages aus dem Jahr 2002 über den Dachauer Wahlfälschungsskandal für das ARD Fernsehmagazin Monitor von Helge Cramer, dem Preisträger des Hermann-Ehrlich-Preises 2012, als zeitgeschichtliches Dokument im Stadtarchiv Dachau aufgenommen werden.
Wahrscheinlich wird der Kommentator erneut nicht nachvollziehen können, welche Bedeutung der Vorgang hat, aber das macht nichts, auf Grund der technischen Probleme im Dachauer Telefonnetz (SZ berichtet!) wird eine Nachfrage ohnehin nicht möglich sein.
Samstag, 13. Oktober 2012
Emser Depesche im Quadrat
Die von der SZ gestrichen Passagen der Leserbriefe finden Sie hervorgehoben in den Orginalleserbriefen weiter unten.
Der SZ wird von Helge Cramer beschieden, das Stilmittel der Emser Depesche zu verwenden - und prompt wird es im gleichen Leserbrief wieder angewendet. Gut, die Auslassungen sind nicht sinnverzerrend, aber lassen dennoch die SZ in einem nicht ganz so schlechten Licht erscheinen.
Außerdem sind die Änderungen nicht gekennzeichnet, so dass ein Leser das sehen kann. Und in Jürgen Zaruskys Brief ist die Änderung von "Andreas Glas" zu "Dachauer SZ" schlampig vollzogen, so dass der weitere Bezug "er" (statt "sie") unverständlich wird.
Der SZ wird von Helge Cramer beschieden, das Stilmittel der Emser Depesche zu verwenden - und prompt wird es im gleichen Leserbrief wieder angewendet. Gut, die Auslassungen sind nicht sinnverzerrend, aber lassen dennoch die SZ in einem nicht ganz so schlechten Licht erscheinen.
Außerdem sind die Änderungen nicht gekennzeichnet, so dass ein Leser das sehen kann. Und in Jürgen Zaruskys Brief ist die Änderung von "Andreas Glas" zu "Dachauer SZ" schlampig vollzogen, so dass der weitere Bezug "er" (statt "sie") unverständlich wird.
Donnerstag, 11. Oktober 2012
Helge Cramer: SZ testet das Redaktionsmuster "Emser Depesche"
Die von der SZ im Printteil gestrichenen Passagen sind fett und kursiv gedruckt.
Leserbrief
Die Brisanz, die niemand sah
SZ Dachau vom 06./07.10. 2012
Sicher werde ich den mir von der SZ verpaßten Ehrentitel dark horse nur einmal verwenden. Und dass indirekte Zitierungen schon mal ein wenig von dem abweichen, was man meint und nach eigener Erinnerung auch gesagt hat, nimmt man nach einiger Erfahrung gelassen, solange es im Kern einigermaßen stimmt. Aber es wird lächerlich, wenn man nach drei ausführlichen Telefonaten im gedruckten Text kaum noch den Gesprächsgegenstand wiedererkennt: Da wird aus der in ARDMagazinen durchaus mal vorkommenden Absetzung eines noch unfertigen Beitrags eine "geradezu alltägliche redaktionelle Entscheidung"; mein Überraschtsein von einer unerwartbaren Auszeichnung mutiert zur Verwunderung, dass ein alter Hut gepriesen wird; aus einem trotz westfälischer Geburtsurkunde gesamten, 44jährigen Arbeitsleben in Bayern wird im Kontext meiner Arbeit "der Westfale Cramer"; und meine bemüht höfliche Beantwortung der bemerkenswerten Reporterfrage, ob ich mich denn überhaupt als ein dieser Auszeichnung "angemessener" Preisträger fühle, schrumpft zu meiner "trotzdem" empfundenen Freude über den Preis, zumal doch "andere Kriterien wichtiger seien" als der verlangte "lokale Bezug des Preisträgers". Tatsächlich wurden die "anderen Kriterien" en detail erörtert; aber nichts davon im SZ-Bericht, geschweige denn in meinen Zitaten: Weggelassen.
Weggelassen wurde das Preis-Motto Entschlossen und furchtlos für Menschlichkeit und Demokratie auch im Gegenwind; weggelassen wurde der in der Stiftungs-Satzung festgeschriebene Gegenstand der Stiftung ("...stiftet einen Preis für Personen oder Gruppen, die aufrecht demokratisches Verhalten beweisen, obwohl sie dafür persönliche Nachteile in Kauf nehmen müssen"); weggelassen wurden die ersten vier von fünf in dieser Satzung weiter benannten Kriterien, aufgrund derer der Preisträger honoriert werden sollte, nämlich Bewusste Bürgerschaft, Zivilcourage, Soziales Engagement und Kulturelles Engagement. Nichts von dem im SZ-Bericht; nicht einmal die Jury-Begründung, warum sie auch das erst an fünfter Stelle genannte Kriterum Lokaler Bezug als erfüllt ansieht.
Einem Journalisten, der das alles zwar nicht zitieren, die Preisvergabe aber trotzdem gerne als "mindestens erstaunlich" kommentieren möchte, sei dies unbenommen. Aber ein Bericht, der anlässlich eines neu gestifteten Preises den vom Stifter ausdrücklich vorangestellten Stiftungsgegenstand und seine ersten vier Vergabekriterien verschweigt, um lediglich ein erst an fünfter Stelle angeführtes Kriterium als die eigentlichen Voraussetzung der Preisvergabe darzustellen, bedient sich jener Blaupause zielgerichteter Berichterstattung, die als Emser Depesche Berühmtheit erlangt hat: Entscheidendes weglassen, um mit dem dann im Zweifelsfall bloß noch marginal zu retouschierenden Rest der Nachricht auch ohne grobe Fälschung eine beabsichtigte Wirkung zu erzielen.
Die Maßnahme wird ihre Wirkung auf unbefangene SZ-Leser womöglich nicht verfehlt haben. Aber dass die SZ ihren Bericht über die erstmalige Vergabe des Hermann-Ehrlich-Preises zum Anlass nimmt, das Redaktionsmuster "Emser Depesche" auszutesten, ist mindestens erstaunlich.
Helge "dark horse" Cramer
TV-Journalist
Leserbrief
Die Brisanz, die niemand sah
SZ Dachau vom 06./07.10. 2012
Sicher werde ich den mir von der SZ verpaßten Ehrentitel dark horse nur einmal verwenden. Und dass indirekte Zitierungen schon mal ein wenig von dem abweichen, was man meint und nach eigener Erinnerung auch gesagt hat, nimmt man nach einiger Erfahrung gelassen, solange es im Kern einigermaßen stimmt. Aber es wird lächerlich, wenn man nach drei ausführlichen Telefonaten im gedruckten Text kaum noch den Gesprächsgegenstand wiedererkennt: Da wird aus der in ARDMagazinen durchaus mal vorkommenden Absetzung eines noch unfertigen Beitrags eine "geradezu alltägliche redaktionelle Entscheidung"; mein Überraschtsein von einer unerwartbaren Auszeichnung mutiert zur Verwunderung, dass ein alter Hut gepriesen wird; aus einem trotz westfälischer Geburtsurkunde gesamten, 44jährigen Arbeitsleben in Bayern wird im Kontext meiner Arbeit "der Westfale Cramer"; und meine bemüht höfliche Beantwortung der bemerkenswerten Reporterfrage, ob ich mich denn überhaupt als ein dieser Auszeichnung "angemessener" Preisträger fühle, schrumpft zu meiner "trotzdem" empfundenen Freude über den Preis, zumal doch "andere Kriterien wichtiger seien" als der verlangte "lokale Bezug des Preisträgers". Tatsächlich wurden die "anderen Kriterien" en detail erörtert; aber nichts davon im SZ-Bericht, geschweige denn in meinen Zitaten: Weggelassen.
Weggelassen wurde das Preis-Motto Entschlossen und furchtlos für Menschlichkeit und Demokratie auch im Gegenwind; weggelassen wurde der in der Stiftungs-Satzung festgeschriebene Gegenstand der Stiftung ("...stiftet einen Preis für Personen oder Gruppen, die aufrecht demokratisches Verhalten beweisen, obwohl sie dafür persönliche Nachteile in Kauf nehmen müssen"); weggelassen wurden die ersten vier von fünf in dieser Satzung weiter benannten Kriterien, aufgrund derer der Preisträger honoriert werden sollte, nämlich Bewusste Bürgerschaft, Zivilcourage, Soziales Engagement und Kulturelles Engagement. Nichts von dem im SZ-Bericht; nicht einmal die Jury-Begründung, warum sie auch das erst an fünfter Stelle genannte Kriterum Lokaler Bezug als erfüllt ansieht.
Einem Journalisten, der das alles zwar nicht zitieren, die Preisvergabe aber trotzdem gerne als "mindestens erstaunlich" kommentieren möchte, sei dies unbenommen. Aber ein Bericht, der anlässlich eines neu gestifteten Preises den vom Stifter ausdrücklich vorangestellten Stiftungsgegenstand und seine ersten vier Vergabekriterien verschweigt, um lediglich ein erst an fünfter Stelle angeführtes Kriterium als die eigentlichen Voraussetzung der Preisvergabe darzustellen, bedient sich jener Blaupause zielgerichteter Berichterstattung, die als Emser Depesche Berühmtheit erlangt hat: Entscheidendes weglassen, um mit dem dann im Zweifelsfall bloß noch marginal zu retouschierenden Rest der Nachricht auch ohne grobe Fälschung eine beabsichtigte Wirkung zu erzielen.
Die Maßnahme wird ihre Wirkung auf unbefangene SZ-Leser womöglich nicht verfehlt haben. Aber dass die SZ ihren Bericht über die erstmalige Vergabe des Hermann-Ehrlich-Preises zum Anlass nimmt, das Redaktionsmuster "Emser Depesche" auszutesten, ist mindestens erstaunlich.
Helge "dark horse" Cramer
TV-Journalist
Mittwoch, 10. Oktober 2012
Die Jury zur SZ-"Berichterstattung" in Abwesenheit
Heute finden wir in der Dachauer SZ folgenden Leserbrief:
Die von der SZ im Printteil gestrichenen Passagen sind fett und kursiv gedruckt.
„Dass mit Helge Cramer nun in seinem Namen ein Filmemacher ausgezeichnet wurde, der nicht aus dem Dachauer Raum stammt - überdies für einen kurzen Fernsehbeitrag, der zehn Jahre alt ist und niemals gesendet wurde - ist mindestens erstaunlich“, schreibt Andreas Glas über die Verleihung des Hermann-Ehrlich-Preises. Vielleicht wäre er etwas weniger erstaunt, wenn er sich die Mühe gemacht hätte, an der Preisverleihung als Reporter teilzunehmen, statt sich mit bruchstückhaften Informationen aus ein paar Telefonaten zu begnügen. Die Folge ist nun ein wechselseitiges Erstaunen. So findet es die Preisjury höchst erstaunlich, dass Herr Glas sich berufen fühlt, ein Vergabekriterium zu erfinden, an das Stifter und Jury nie im Entferntesten gedacht haben: Nirgends ist in der Preissatzung davon die Rede, dass der Preisträger aus dem Dachauer Raum stammen muss. Befremdlich ist auch Glas‘ Charakterisierung des Namensgebers: Hermann Ehrlich, schreibt er, habe „seinen Überzeugungen von sozialer und politischer Gerechtigkeit vor allem musikalisch Ausdruck verliehen“. Über den kritischen Bürger Hermann Ehrlich und seine bedeutsame Rolle in der Bewegung gegen den Dachauer Wahlbetrug 2002 schweigt Glas. Bei der Preisverleihung hätte er darüber Einiges erfahren können, ebenso wie über den eindrucksvollen Werdegang des Dokumentarfilmers Helge Cramer. Die Landtagsabgeordnete Susanna Tausendfreund hat ihm eine schöne und informative Laudatio gewidmet. Und der leider verhinderte Reporter Glas hätte sich ein eigenes Bild von der Brisanz machen können, die das vor zehn Jahren nicht gesendete Filmmaterial heute noch hat. Die rund hundert Anwesenden (vielleicht wären es noch ein paar mehr geworden, wenn die SZ es nicht peinlichst vermieden hätte, die Veranstaltung auch nur mit einer Zeile anzukündigen) waren jedenfalls ziemlich beeindruckt. Die Gründe der Nichtausstrahlung hat Helge Cramer bei dieser Gelegenheit auch klar erläutert: Nach einer ersten Verschiebung, bei der man von einer längerfristigen Aktualität des Wahlkonflikts ausgegangen sei, habe die Redaktion von „Monitor“ im Einvernehmen mit ihm nach der Verhaftung von Wolfgang Aechtner den Beitrag abgesetzt, weil man geglaubt habe, nun werde der Skandal aufgeklärt. Aus heutiger Sicht, so Cramer, sei das ein Fehler gewesen, weil es keineswegs zu einer vollständigen Aufklärung gekommen ist. Die Jury hat Helge Cramer den Hermann-Ehrlich-Preis zuerkannt „in Anerkennung seines Engagements für die Aufklärung des Dachauer Wahlfälschungsskandals und in Würdigung einer jahrzehntelangen dokumentarischen Filmarbeit, die sich durch einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte auszeichnet“. Journalistische Vorbilder, die für Offenheit und solide Recherchearbeit stehen, sind immens wichtig. Lokale Bezüge dafür liegen auf der Hand.
Dr. Jürgen Zarusky, Dachau, im Namen der Jury des Hermann-Ehrlich-Preises
Samstag, 6. Oktober 2012
Aufklärungsarbeit von Helge Cramer gewürdigt
Die Dachauer Nachrichten / Münchner Merkur berichten von der Verleihung des hermann Ehrlich-Preises an Filmemacher Helge Cramer in der heutigen Samstagsausgabe (mit Foto).
Freitag, 5. Oktober 2012
Die SZ berichtet über Preis-Verleihung ohne anwesend zu sein.
Obwohl bei der Preisverleihung überhaupt nicht anwesend und obwohl, so wie Andreas Glas beim Telefonat mit Kai Kühnel vage andeutete, in der Redaktionskonferenz der Preisverleihung an Helge Cramer keine hinreichende Relevanz für eine Ankündigung in der Dachauer SZ beigemessen werden konnte, wertet die SZ in einem Bericht, der eher einem Kommentar gleichkommt, in der heutigen Online Ausgabe der SZ.
Die mehr als 100 Gäste haben es anders entfunden als der Kommentator Glas und das ist uns bei weitem wichtiger. Stehende Ovationen über mehrere Minuten haben deutlich gemacht wie daneben die SZ wieder einmal liegt.
Die mehr als 100 Gäste haben es anders entfunden als der Kommentator Glas und das ist uns bei weitem wichtiger. Stehende Ovationen über mehrere Minuten haben deutlich gemacht wie daneben die SZ wieder einmal liegt.
Donnerstag, 4. Oktober 2012
Laudatio von Susanna Tausendfreund, MdL-GRÜNE, für den Journalisten Helge Cramer zur Verleihung des Hermann-Ehrlich-Preises am 3.10.2012
Susanna Tausendfreund MdL
innenpolitische Sprecherin der
GRÜNEN im Bayerischen
Landtag
stv. Landrätin des Landkreises München
|
Laudatio von Susanna Tausendfreund, MdL-GRÜNE, für den
Journalisten Helge Cramer zur Verleihung des Hermann-Ehrlich-Preises am
3.10.2012
Anrede
Nachdem wir heute zur erstmaligen Verleihung des Preises
zusammen gekommen sind, wird deutlich, welche besondere Stellung der
Preisträger Helge Cramer für die Familie des verstorbenen Hermann Ehrlich und
das Bündnis für Dachau hat.
Wenn wir uns das Anforderungsprofil des
Hermann-Ehrlich-Preises ansehen, wird nicht gleich offenbar, aus welchen
Gründen die Jury ihn ausgewählt hat. Bewusste Bürgerschaft, Zivilcourage,
kulturelles und soziales Engagement, diese Kriterien kann Helge Cramer
natürlich bestens erfüllen. Hinzu kommt die journalistische Hartnäckigkeit, die
- ohne Rücksicht auf die eigene Karriere - zu kritischen Fernsehbeiträgen
geführt hat, die entweder die Obrigkeit gegen ihn aufgebracht haben oder die
teilweise gekürzt oder gar nicht gesendet wurden.
![]() |
| Moderator Dr. Jürgen Zarusky und Preisträger Helge Cramer |
Wer die Recherchen und die Dreharbeiten des Preisträgers zum
Wahlfälschungsskandal bei den Kommunalwahlen 2002 hier in Dachau nicht
mitbekommen hat, kann diesen lokalen Bezug auch nicht herstellen, denn die
fertig gestellte Reportage für das Magazin Monitor wurde nie gesendet. Viele
von Ihnen haben gespannt darauf gewartet, aber die Ausstrahlung wurde aus
unterschiedlichen Gründen zweimal abgesetzt.
Die Recherchearbeit für den Fernsehbeitrag - Interviews auf
der Straße, Drehs in Stadtratssitzungen, kritische Nachfragen bei den
Verantwortlichen - war dennoch ein wichtiger Bestandteil der mühsamen
Aufklärungsarbeit eines bis dato unvorstellbaren Wahlbetrugs - ganz im Sinne
des Einsatzes von Hermann Ehrlich.
In der Vorbereitung auf den heutigen Tag sind viele Bilder
von damals bei mir wieder präsent geworden:
- „3.500 Wahlscheine für die Briefwahl mit den
eidesstattlichen Versicherungen nicht mehr aufzufinden“
- „404 Stimmzettel und 5 Wahlscheine zur Briefwahl im
Altpapier gefunden“
- „370 Stimmzettel von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt weil
weitgehend identische Merkmale“
Das waren die ersten Meldungen.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass diejenigen, die das
natürlichste der Welt erreichen wollten - nämlich die lückenlose Aufklärung des
Betrugs und der Fälschungen bei der Wahl zugunsten der Kandidaten der CSU -
sehr schnell als Nestbeschmutzer galten.
Die überörtliche, die bayernweite, die deutschlandweite
Debatte über die Wahlmanipulationen hat dann den notwendigen Anschub für die
Einsicht gefördert, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelte sondern
um gravierende Straftaten und um einen handfesten Skandal.
Am 22. September 2002 fanden die Nachwahlen zum Dachauer
Kreistag und Stadtrat statt. Am 16. Februar 2003 wurde auch die Stichwahl des
Oberbürgermeisters wiederholt. Für diese Wahlen hatte mich das Bündnis für
Dachau als unabhängige Wahlbeobachterin gewonnen. Wahlbeobachter beizuziehen,
war damals ein starkes Zeichen, dass derartige Betrügereinen nie mehr vorkommen
dürfen.
Wolfgang Aechtner und Georgios Trifinopoulos wurden wegen
vielfacher Wahlfälschung zu Bewährungsstrafen verurteilt und mussten Schadenerstatz
für die Kosten der nun nötigen neuen Wahlen leisten, was bis heute allerdings
nicht geschehen ist.
Im Landtag habe ich mich vor zehn Jahren bei diesem Thema
sehr engagiert. Wir GRÜNE verlangten Aufklärung und eine schnellstmögliche
Nach- bzw. Neuwahl. Viele Debatten im Landtagsplenum und in den Ausschüssen
drehten sich um den Wahlskandal. Es fielen markige Worte und es wurden von der
Opposition Vergleiche mit Wahlen in Staaten gezogen, in denen Demokratie noch
ein Fremdwort war.
Auch einen Gesetzentwurf hatte ich auf den Weg gebracht, mit
dem insbesondere die Manipulationsmöglichkeiten bei der Briefwahl zukünftig
hätten eingedämmt werden können. Dieser Gesetzentwurf wurde zwar abgelehnt, die
Vorschläge aber etwas später trotzdem zum Teil umgesetzt.
Die Ausstrahlung des Monitorbeitrages von Helge Cramer wäre
damals sehr hilfreich gewesen - und für diejenigen, die den Skandal herunter
spielen wollten, sehr lehrreich.
Damit dürfte nun geklärt sein, dass Herr Cramer - unser
heutiger Preisträger - auch das Kriterium des lokalen Bezugs voll und ganz
erfüllt!
Nun zu seinem sonstigen, sehr beeindruckenden Wirken, mit
dem er die übrigen Voraussetzungen mehr als ausfüllt.
Ich kann allerdings nur einige Schlaglichter setzen:
Als 22-jährigen verschlug es ihn 1968 nach Bayern - und die
68er-Zeit war in Bayern wahrscheinlich etwas anders, als die 68er-Zeit in
Berlin oder in Paris.
Helge Cramer arbeitete zunächst bei der Nürnberger
Abendzeitung und konnte dort seiner Leidenschaft für die Berichterstattung über
Natur, Landschaft und Umwelt nachkommen - diese Berichte enthielten natürlich
immer seine spezifische kritische Note, wie beispielsweise seine Artikel über
den schwindenden Lebensraum für den Uhu.
Mit der Filmerei - in die Helge Cramer 1975 beim BR mit
Magazinstücken für das Lokalfernsehen eingestiegen ist - kamen auch die
Konflikte.
Er berichtete für die ARD über folgenden Fall: Im August
1976 hatten zwei Priester im Auftrag des Würzburger Bischofs versucht, einer 23jährigen
den Teufel auszutreiben; die Pädagogik-Studentin Anneliese Michel aus
Klingenberg am Main litt an Epilepsie und fand bei der brutalen Prozedur den
Tod.
Die kirchenamtliche Beteiligung für den bischöflichen
Auftrag zur Teufelsaustreibung wurde damals auf Anweisung des BR-Chefredakteurs
Rudolf Mühlfenzel aus Cramers Reportage „Tod durch Teufelsaustreibung“ herausgeschnitten.
Dies hat den Filmemacher nicht davon abgehalten -
wahrscheinlich sogar angespornt -, den Stoff aktuell aufzuarbeiten und den
Dokumentarfilm „Teufels Werk und Gottes Beitrag“ herauszubringen.
Mit seinem Film über die Massenverhaftung von Jugendlichen
im Nürnberger KOMM traf Helge Cramer den Nerv der Regierenden in Bayern.
Einige von Ihnen - meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Freunde - werden sich sicher noch an den März 1981 erinnern. Nach einer
Spontandemonstration, bei der Schaufensterscheiben zu Bruch gingen, nahm die
Polizei alle Besucher des Jugendzentrums KOMM in einer völlig überzogenen
Aktion fest, anstatt sich auf die wenigen Randalierer zu konzentrieren. Mit
dieser Polizeimaßnahme wurde das ungeliebte, selbstverwaltete KOMM in die Ecke
einer linksextremistischen Gewaltschmiede gestellt und völlig harmlose Jugendliche
kriminalisiert und schikaniert.
Es ergingen 141 gleichlautende, kopierte Haftbefehle. Der
Vorwurf: Landfriedensbruch. Die Untersuchungshaft wurde mit Flucht- und
Verdunklungsgefahr begründet. Erst nach Tagen erfuhren viele Eltern, wo ihre
Kinder waren. Einige der Inhaftierten kamen erst nach zwei Wochen frei.
Der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß sah in den
KOMM-Aktivisten und der Hausbesetzerszene »den Kern neuer terroristischer
Aktionen«.
Es folgte eine Protestwelle, der sich viele Jugendliche im
ganzen Land anschlossen. Für mich - damals knappe 18 Jahre alt - waren diese
Ereignisse ein wichtiger Anstoß, mich politisch zu engagieren.
Helge Cramer deckte bei seinen Recherchen auf, dass die
Polizei sehr wohl die Möglichkeit gehabt hätte, gezielt die eigentlichen
Straftäter (oder waren es Provokateure?) zu verhaften. Dies wurde von den
damaligen Innen- und Justizministern Tandler und Hillermeier natürlich ganz
anders dargestellt, auch gegenüber dem Landtag. Helge Cramers Fazit in seinem
Film: „regierungsamtliche Lügen“ !
Der Karriereknick, den er durch sein Engagement in der
KOMM-Affäre erlitt, hat den Preisträger nicht davon abgehalten, weitere
brisante Themen zu bearbeiten.
Für Monitor erstellte er 1986 eindrucksvolle
Wackersdorfberichte, bei denen es sich inzwischen um Dokumente der
Zeitgeschichte handelt.
Ein umfassendes Bild liefert der Dokumentarfilm „WAAhnsinn -
Der Wackersdorffilm“:
- Bürgerkriegsähnliche Zustände im Taxöldener Forst,
- polizeistaatliche Mittel, um das WAA-Projekt gegen alle
Widerstände der Bevölkerung durchzusetzen,
- Durchsuchungen von Scheunen der Bauern wegen angeblicher
Waffenfunde - damit sollte die Bevölkerung wohl davon abgeschreckt werden,
Demonstrierende bei sich übernachten zu lassen,
- Einsatz von verdeckten Ermittlern - Polizeispitzeln - bei
der Versammlung einer Bürgerinitiative - dies stieß auf erhebliche Empörung,
- großangelegte Verhaftungsaktionen ohne Haftbefehle,
- Die Einführung des sog. verwaltungsrechtlichen
Selbsteintrittsrechts, damit der aufmüpfige Schwandorfer Landrat Schuirer
mundtot gemacht werden konnte. Er wollte die wasserrechtliche Genehmigung für
die WAA nicht erteilen, da er richtiger Weise rechtliche Bedenken hatte. Mit
diesem gesetzgeberischen Handstreich konnte sich die Bayerische Staatsregierung
über Schuirer hinweg setzen!
Derartige Berichte liebte die Strauß-Regierung natürlich nicht
und der Preisträger fiel weiter in Ungnade. Nach dem Monitorstück vom April
1986 trat denn auch BR-Intendant Reinhold Vöth in Aktion. Danach war es für
Herrn Cramer noch schwieriger, seiner journalistischen Passion nachzukommen.
Bei der WAA gibt es wieder persönliche Überschneidungspunkt:
Ich war damals sehr häufig in Wackersdorf.
- Zunächst bei den Waldspaziergängen,
- dann im Hüttendorf - auch bei der spektakulären Räumung
durch Polizei war ich im Kessel,
- später bei den Auseinandersetzungen am Bauzaun -
allerdings habe ich diese aus sicherer Entfernung beobachtet,
- bei den vielen Demonstrationen
- und auch bei dem großen WAA-Rockfestival, das einen Touch
von Woodstock hatte und über das Helge Cramer ebenfalls einen Film erstellte.
Darüber hinaus hat sich Helge Cramer der Jugendförderung
verschrieben. Mit dem Jugendfilmprojekt „Gräfenberg wehrt sich gegen Neonazis“,
das mit Unterstützung vieler zivilgesellschaftlicher Organisationen 2008 realisiert
werden konnte, hat der Preisträger durchaus Maßstäbe gesetzt und gezeigt, dass
politische Bildung und der Einsatz gegen Rechtsextremismus, Rassismus und
Intoleranz nicht früh genug anfangen kann.
Helge Cramer versteht es bei seinen Fernsehberichten und
Dokumentarfilmen, die Momentaufnahmen und Hintergrundinformationen zu einem
realistischen, kritischen und keinesfalls übertriebenen Bild zusammenzufügen.
Er versteht es auch, sich politischer Einflussnahmen oder
einem Glattbügeln von Beiträgen zu erwehren.
Dies spiegelt sich auch im nicht ausgestrahlten Bericht über
den Dachauer Wahlbetrug wider.
Bevor Helge Cramer sich Vorgaben untergeordnet hätte, gründete
er lieber eine eigene, unabhängige Filmproduktion.
Diesen selbst gesetzten Maximen ist der Preisträger immer
treu geblieben.
Sehr geehrte Mitglieder der Jury: Sie haben eine sehr gute
Wahl getroffen!
Lieber Helge Cramer: Herzlichen Glückwunsch zur Verleihung
des Hermann-Ehrlich-Preises!
Montag, 1. Oktober 2012
Verleihung des Hermann-Ehrlich-Preises an den Filmemacher Helge Cramer
Wir würden uns über Ihren/Euren Besuch freuen, jedermann ist eingeladen am Mittwoch den 3. Oktober um 16:00h auf dem Amperitiv.
Verleihung des Hermann-Ehrlich-Preises 2012
an den Filmemacher Helge Cramer
16: 00 Empfang mit Musik David Bermudez, Gitarre
16.15 Begrüßung, Vorstellung Preisträger und Laudatorin
16.20 Laudatio Susanna Tausendfreund MdL
16.40 Preisverleihung
16.45 Ansprache des Preisträgers
17.00 Musik
17.10 Einführung zum Film, Filmvorführung
17.45 Zweiergespräch
18.15 Ende mit Musik
Verleihung des Hermann-Ehrlich-Preises 2012
an den Filmemacher Helge Cramer
16: 00 Empfang mit Musik David Bermudez, Gitarre
16.15 Begrüßung, Vorstellung Preisträger und Laudatorin
16.20 Laudatio Susanna Tausendfreund MdL
16.40 Preisverleihung
16.45 Ansprache des Preisträgers
17.00 Musik
17.10 Einführung zum Film, Filmvorführung
17.45 Zweiergespräch
18.15 Ende mit Musik
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